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Konfessionelles Schrifttum und der Buchmarkt 1938 bis 1945 unter besonderer Berücksichtigung der Situation in der damaligen "Ostmark" Tanja Brunelik |
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Bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme hatte konfessionelles Schrifttum (das heißt die religiöse Literatur der katholischen und evangelischen Kirche) seit Jahrhunderten einen sehr bedeutenden Anteil an der deutschen Buchproduktion.
Ab dem Jahr 1933 (im „Altreich“) bzw. 1938 (in der „Ostmark“) wurde dieser Bereich durch die antikonfessionelle Politik des nationalsozialistischen Regimes jedoch sukzessive minimiert bzw. zerschlagen. Erscheinungsformen konfessioneller (katholischer) Literatur waren bis zur NS-Herrschaft und noch später einerseits die Masse der so genannten Kleinschriften, die in Kirchen auf Schriftenständen ausgelegt und verkauft wurden, andererseits Bücher (theologische Schriften, Romane u.a.) sowie Tageszeitungen und Zeitschriften konfessioneller Prägung, wie z.B. Reichspost, Wiener Diözesanblatt. Sie konnten angesichts der immer strenger gehandhabten Papierbewirtschaftung nach 1933, 1938 immer weniger produziert werden. Auch das Verlagswesen der Konfessionen war bis zur Zeit des NS-Regimes dementsprechend gut situiert und ausgebildet. Das katholische Verlagswesen Österreichs wurde bis 1938 vor allem durch die so genannten Preßvereine bestimmt, die unter der Schirmherrschaft der jeweiligen Diözesen als wirtschaftlich starke Unternehmen geführt wurden, ferner durch Verlage wie Herder, Pustet und andere. Im Zuge des Anschlusses im März 1938 wurden sie durchwegs aufgelöst bzw. gleichgeschaltet. Vertrieben wurde konfessionelles Schrifttum nicht nur durch den regulären Buchhandel, sondern auch durch besondere Vertriebswege: im Rahmen des konfessionellen Büchereiwesens, gut organisiert im Gefüge des Borromäusvereins, das nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nur mehr in Form von so genannten „Pfarrbüchereien“ weitergeführt werden konnte und schließlich als „exemte Seelsorge“ der Wehrmacht (kurzzeitig auch unter Mitarbeit der „Kirchlichen Kriegshilfestelle“ der katholischen Caritas) und im Rahmen der so genannten „Kleinschriftenmission“, das heißt der kirchlichen Förderung des systematischen Vertriebs konfessioneller Broschüren. Trotz der starken Präsenz des konfessionellen Schrifttumsbereichs im Diskurs nationalsozialistischer Kulturpolitik fand er als Thema in der wissenschaftlichen Literatur bis zum heutigen Tag kaum Niederschlag. Die in dieser Arbeit dargestellten Forschungsergebnisse beruhen daher zu einem großen Teil auf Archivrecherche bzw. der Studie weniger themenspezifischer Primär- und Sekundärquellen. Wertvolle Anregungen und Dokumente fanden sich vor allem im Bestand des Wiener Diözesanarchivs, wobei für die Interpretation derselben die Auseinandersetzung mit den gesetzlichen Verordnungen (vor allem) der Reichskultur- bzw. Reichsschrifttumskammer, die den nationalsozialistischen Vernichtungskampf am konfessionellen Buchmarkt legitimieren und ihm die nötige Schlagkraft verleihen sollten, grundlegend wichtig war. Angesichts der bisherigen nur punktuellen Erschließung des Themas hat sich die Verfasserin die Aufgabe gestellt, den gesamten konfessionellen (katholischen) Schrifttumsbereich, mit Schwerpunkt auf die Situation in der „Ostmark“, im Überblick darzustellen. Die Fokussierung auf die Schrifttumsarbeit der katholischen Kirche ergab sich dabei aus der realen Konfessionsstatistik: im Jahr 1938 waren auf dem Gebiet der nunmehrigen „Ostmark“ 90,5% der Gesamtbevölkerung römisch-katholischen Glaubens. Nach einer allgemeinen Einführung in das Verhältnis zwischen Nationalsozialismus und (katholischer) Kirche sowie einer Bestandsaufnahme der damaligen Situation am Buchmarkt werden die verschiedenen Aspekte des konfessionellen Buchwesens näher erläutert: Konzept und Umsetzung konfessioneller (katholischer) Schrifttumsarbeit; Erscheinungsformen, Produktion und Vertrieb religiöser Literatur; Verlagswesen kirchlicher Prägung; konfessioneller (katholischer) Buchhandel; spezifische Vertriebswege religiöser Literatur; konfessionelles (katholisches) Büchereiwesen. Auf Grund dieses breit angelegten Konzepts konnte auf die einzelnen Themenbereiche oft auch nur „allgemein“, das heißt im Hinblick auf „große“ Entwicklungsstränge eingegangen werden. Eine detailliertere Behandlung jedes einzelnen Kapitels stellt jedoch, nach Einschätzung der Verfasserin, sicherlich eine lohnende Aufgabe dar, denn das Thema des „konfessionellen Schrifttums“ ist, vor allem aus germanistischer und buchwissenschaftlicher Perspektive, bisher nur ansatzweise aufgegriffen worden. |
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