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Bild links: Prachtbauten am Dâmbovita-Ufer Bukarest ist eine Stadt der Kontraste und Widersprüche. Alte Paläste, gepflegte Parks, sehenswerte Museen und ein vielfältiges Kulturleben, aber auch noch immer ungelöste Probleme mit dem kommunistisch-diktatorischen Erbe. Der nachfolgende Text versucht (wie alle unsere Reiseportraits) ein objektives Bild über die rumänische Hauptstadt zu vermitteln. Er behandelt einerseits die üblichen Themen wie die Sehenswürdigkeiten, die Geschichte oder die Kunst und Kultur, andererseits aber auch die Sorgen und Nöte, mit denen die über zwei Millionen Einwohner zählende Stadt zu kämpfen hat. |
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Geschichte der Stadt Über die Gründung von Bukarest gibt es mehrere Theorien. Eine davon ist die Legende des Hirten Bucur, der der Stadt zu ihrem heutigen Namen verhalf. Eine andere handelt vom Mythos einer ’Freudenstadt (bucurie)’, die ein König namens Dromichaites am Ufer der Dâmbovita (der unscheinbare Fluß, der durch Bukarest fließt), gründete. Historisch gefestigter sind wohl die Spuren von Siedlungen, welche sich bis ca. 1800 v.Chr. zurückverfolgen lassen. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Bukarest unter Vlad Ţepeş zur Hauptstadt des rumänischen Fürstentums Walachei. Einige Kilometer außerhalb der Stadt, inmitten eines Eichenwalds gelegen, befindet sich das Snagov-Kloster. Es liegt auf einer Insel im gleichnamigen See und beherbergt das Grab von Vlad Ţepeş dem Bram Stoker in seinem Roman 'Dracula' zu literarischen Ehren verholfen hat. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann eine Art Bauboom von Palästen und Kulturgebäuden und 1862 wurde Bukarest schließlich zur Hauptstadt Rumäniens. Die Stadt erlebte abermals einen Aufschwung und bis in die Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hatte Bukarest den Beinamen ‚Paris des Ostens’. Elegante Boulevards mit Alleebäumen und prunkvolle Gebäude prägten das Stadtbild. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rumänien von der Roten Armee besetzt und die Monarchie abgeschafft. 1965 erhielt Rumänien eine neue Verfassung und wurde zur 'Sozialistischen Volksrepublik'. Der noch im selben Jahr in sein Amt erhobene Diktator Nicolae Ceauşescu schaffte es, einen unvergleichlichen Machtapparat aufzubauen, das Volk brutal zu unterdrücken und ganz Rumänien mit seinem Größenwahn schlussendlich in den Ruin zu führen. Am 16. Dezember 1989 kam es in Timişoara (Temesvár) zu einem großen Bevölkerungsaufstand, nachdem der regimekritische Priester László Tökés verschleppt werden sollte. Viele Demonstranten wurden dabei getötet und die Geheimpolizei 'Securitate' ging brutal gegen die Aufständischen und gegen die die Fronten wechselnden Armeemitglieder vor. Nur einen Tag später erreichte der Bürgerkrieg auch die Hauptstadt Bukarest und in den Straßen tobten schwere Kämpfe mit unzähligen Opfern. Während einer Rede Ceauşescus, bei der ihn das aufgebrachte Volk zunächst nur mit Buhrufen empfing, begannen die Massen schließlich, das Parteigebäude zu stürmen. Ceauşescu und seine Frau Elena flüchteten, wurden aber kurze Zeit später von Soldaten der rumänischen Armee festgenommen. Am 25.12.1989 wurde er zusammen mit seiner Frau von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und sofort erschossen. Bilder, die im Fernsehen um die Welt gingen. Auf dem Friedhof Ghencea kann man nun seit einigen Jahren die Gräber des Diktatorenehepaars besuchen. |
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Stadtspaziergang Es heißt, eine Stadt sollte man am besten zu Fuß erkunden, um Eindrücke zu sammeln. Das gilt natürlich auch für Bukarest. Unser Spaziergang beginnt im von Seen und Grünflächen durchzogenen Norden der Stadt, genauer gesagt im elegant-gepflegten Herăstrău-Park, und verläuft quer durch die Stadt in Richtung Süden. In dieser größten Freizeit-Grünoase von Bukarest liegt ein riesiger See mit Bootsverleih und Terrassenlokalen am Ufer. Das sehenswerteste an diesem Park ist aber sicherlich das 1936 gegründete Dorfmuseum, eines der berühmtesten ethnographischen Museen der Welt. Über 200 Bauernhäuser, Kirchen und andere typische Gebäude samt Einrichtung wurden aus allen Landesteilen Rumäniens hierher gebracht. Ein Besuch, der sich in jedem Fall lohnt. Nicht weit vom Ausgang des Dorfmuseums entfernt steht der Bukarester Triumphbogen (’Arcul de Triumf’), eine Kopie des berühmten Pariser Vorbilds. Er wurde im Jahre 1922 anlässlich der Vereinigung aller Rumänen und dem Sieg im Ersten Weltkrieg errichtet. Von der Aussichtsplattform des Triumphbogens kann man unter anderem das ’Haus der Presse’ sehen, eine Kopie der Lomonossov-Universität in Moskau. Einst Sitz des KP-Zentralorgans, sind hier nunmehr Redaktionen verschiedener Printmedien untergebracht. Ein kurzer Umweg führt zum Piaţa Aviatorilor, in dessen kreisrunder Mitte sich das Fliegerdenkmal befindet, ein Monument zu Ehren der Helden der Luftfahrt. Auf dem Weg entlang der 'Şoseaua Kiseleff' kann man im gleichnamigen Park Statuen des zeitgenössischen rumänischen Bildhauers Gheorghe Apostu bewundern. Kurz bevor man den Piaţa Victoriei erreicht, befinden sich auf der rechten Seite 2 Museen, zum einen das 'Museum des rumänischen Bauern' und anschließend das 'Grigore Antipa' (Museum für Naturgeschichte). |
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Linkes und mittleres Bild: Dorfmuseum im Herăstrău-Park Rechtes Bild: Arcul de Triumf |
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Vom Piaţa Victoriei führt uns unsere City-Tour geradewegs weiter in die 'Calea Victoriei', die älteste Prachtstraße Bukarests. In der Straße gibt es eine Fülle an interessanten touristischen Plätzen. Zunächst kommt man beim Cantacuzino-Palast vorbei, einem Gebäude, welches trotz seiner barocken Architektur erst Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. 1956 erfolgte die Umgestaltung zum Gedenkmuseum für George Enescu, den berühmtesten rumänischen Komponisten und Dirigenten. Vorbei an der Rumänischen Akademie und dem Museum der Kunstsammlungen gelangt man zum 1835 im neoklassizistischen Stil errichteten eleganten Ştirbei Palast. Hier befindet sich das Keramik- und Glasmuseum. Bald darauf erreicht man die zentrale Mitte von Bukarest, den Piaţa Revoluţiei, Schauplatz der Revolution von 1989. Auf der rechten Seite dieses großen Platzes liegt der von 1927 bis 1937 erbaute Königliche Palast. Im Jahre 1948, nach dem Ende der Monarchie, wurde das Gebäude in das Nationale Kunstmuseum umgewandelt, wo Werke berühmter rumänischer Maler ausgestellt werden. Am Eindrucksvollsten ist die Europäische Galerie: Hier findet man neben Graphischen Sammlungen unter anderem Gemälde und Skulpturen von Rembrandt, Tizian, El Greco, Renoir, Monet, Breughel und Rubens. An der linken Seite des Platzes befinden sich das Atheneum und die Zentralbibliothek der Universität. Geht man die Calea Victoriei weiter, kommt man zur Creţulescu-Kirche. Zwischen 1720 und 1722 im ’Brâncovan-Stil’ erbaut (benannt nach dem walachischen Herrscher Constantin Brâncoveanu, der einen speziellen Baustil mit dafür typischen Dekorationselementen bevorzugte), zählt sie mit ihren sehenswerten Innenfresken zu den berühmtesten Kirchen der rumänischen Hauptstadt. Vorbei am hässlichen Gebäude des Fernsprechverkehrs und dem eleganten Odeon-Theater ist man nun vor dem 'Cercul Militar Naţional' (Offizierskasino), einem Prachtbau des Fin de Siècle, gelandet. Am 'Bulevardul Regina Elisabeta' angekommen, gibt es nun mehrere Möglichkeiten, die rumänische Metropole zu erkunden. Wählt man den Weg nach rechts, erreicht man in weitere Folge das Rathaus der Stadt Bukarest und den Cişmigiu-Park. Mit seiner im 19. Jahrhundert entworfenen Gartenarchitektur, seinen Alleen und seinen kleinen Seen mit Vogelarten aus dem Donaudelta ist er der älteste und eleganteste Park der Hauptstadt. Ein idealer Zufluchtsort also, um für kurze Zeit dem Lärm zu entkommen. Denn Lärm ist in Bukarest immer und überall zugegen: Nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Geschäften und Lokalen, mitunter sogar im Hotel oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nimmt man den Weg nach links, gelangt man, vorbei an der 1869 gegründeten Universität und dem Gebäude der ’Banca Comerciala Romana’ zum Piaţa Universităţii, Hier befindet sich nicht nur 'Kilometer Null' als Ausgangspunkt für alle Straßen Rumäniens, sondern auch der 1833 im neugotischen Stil erbaute Şuţu-Palast, in dem das Kunst- und Geschichtsmuseum der Stadt beheimatet ist. Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken zählt mit Sicherheit die erste Urkunde, in der Bukarest namentlich erwähnt wird und 1459 von Vlad Ţepeş unterzeichnet wurde. Auf der anderen Seite des Platzes bilden der Betonklotz des 'Hotel Intercontinental' und das rumänische Nationaltheater ein seltsam anmutendes Ensemble. |
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| Bilder (von links nach rechts): |
| 1. Zentralbibliothek der Universität |
2. Gebäude des Fernsprechverkehrs |
3. 'Cercul Militar Naţional' (Offizierskasino) |
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Quert man den 'Bulevardul Regina Elisabeta' und setzt seinen Stadtrundgang Richtung Süden fort, gelangt man auf direktem Weg in das Lipscani-Viertel. Die Gegend, benannt nach der Lipscani-Straße, ist der älteste noch verbliebene Teil der Innenstadt von Bukarest. Das Viertel ist ein Spiegelbild der Kulturen, ein Treffpunkt von Europa und Orient, von Glanz und Armut, von prachtvoller Architektur und kleinen Häusern. Eine ideale Voraussetzung, sich einfach einmal von der Stimmung treiben zu lassen und die besondere Atmosphäre in diesem Teil der Stadt zu genießen. An der Kreuzung von Wegen und Kulturen ist auch Bukarest 'Schmelztiegel der Nationen': Viele verschiedene Gemeinschaften leben hier und sie alle haben Ihre Schulen, Kultureinrichtungen, Diözesen, Verlage und politisches Mitspracherecht: Albaner, Armenier, Deutsche, Juden, Griechen, Roma, Serben, Tataren und Ungarn. In der Lipscani-Straße und den angrenzenden Straßen befinden sich zahlreiche Antiquitätengeschäfte. Rumänische Souvenirs wie bestickte Kleider, Holzschnitzereien, diverse Keramikwaren oder Ikonen findet man beispielsweise im ’Hanul cu Tei’- Basar. Vorbei an der Banca Naţională (Nationalbank), die aufgrund ihres neoklassischen Baustils unter Denkmalschutz steht, gelangt man zur Villacross-Arkade, einer Einkaufspassage im französischen Stil. Viele Gebäude in Lipscani werden restauriert, und ein Altstadtbummel in Lipscani wird zunehmend interessanter. Immer mehr Restaurants, Boutiquen und Juweliere eröffnen und künden vom Aufbruch des Viertels. Trotzdem fällt auf, dass sich hier nach wie vor mehr betrachtende Besucher als potentielle Einkäufer tummeln, genauso wie in den anderen, mittlerweile mit zahlreichen Geschäften aufgewerteten Hauptstraßen im Zentrum und in Shopping Centern wie dem 'Unirea Shopping Centre' am Piaţa Unirii oder der 'Bucuresti Mall' in der Calea Vitan. Das Lipscani-Viertel besitzt aber auch eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, die man keinesfalls versäumen sollte. Beispielsweise den berühmtesten Sakralbau Bukarests, die Stavropoleus-Kirche. Sie wurde 1724 im byzantinischen Stil und unter Mithilfe eines griechischen Mönchs errichtet. Das Gotteshaus ist vom späten so genannten 'Brâncovan-Stil' beeinflusst. Im Hinterhof befinden sich zahlreiche Säulen und Gräber. Nur ein paar Meter schräg gegenüber der Kirche liegt das berühmte, 1879 eröffnete Bierlokal 'Caru’ cu Bere' mit seiner neugotischen Ausstattung, seinerzeit ein beliebter Künstlertreffpunkt. Das Lokal beeindruckt mit seiner sehenswerten Inneneinrichtung und einzigartiger Atmosphäre. Hier bekommt man aber nicht nur (in Tonkrügen servierten) Gerstensaft, sondern auch hervorragende Speisen. Die rumänische Küche genießt zwar nicht unbedingt Weltruhm, hält aber durchaus angenehme kulinarische Überraschungen bereit. Zumindest einmal sollte man beispielsweise 'Mici' oder 'Mititei', welche fast an jeder Straßenecke verkauft werden, probieren. Ein weiterer sehenswerter Gasthof im Altstadtviertel, der in keinem Bukarest-Reiseführer unerwähnt bleibt, ist 'Hanul lui Manuc'. 1804 im walachischen Baustil errichtet ist es heute das älteste Lokal der Stadt, die Küche ist woanders aber sicherlich bemühter. Zum Beispiel im 'Burebista Mosilor': Hier gibt es hervorragende bodenständige, rumänische Gerichte. Auch internationale Fast-Food-Ketten wie Mc Donald’s, Pizza Hut oder Ruby Tuesday haben mittlerweile die Stadt erobert. Die Bukarester nehmen sich aber auch Zeit für den 'cafea', ihren heißgeliebten Kaffee. Man bemüht sich, die Cafés der Stadt wieder wie die Vorbilder in Wien oder Paris aussehen zu lassen, und die hier angebotenen Spezialitäten sind durchaus eine Kostprobe wert. Nur ein paar Schritte von 'Hanul lui Manuc' entfernt befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit, nämlich Curtea Veche ('Alter Hof'). Diese Ruinen waren einst Teil des alten Königspalastes aus dem 15. Jahrhundert, der unter Vlad Ţepeş errichtet wurde. Seitdem diente der Palast als Residenz der walachischen Herrscher. Mit der Zeit wurde Curtea Veche allerdings durch Erdbeben (zuletzt 1977) und Brände zerstört, und so sind neben ein paar Dokumenten die Ruinen die einzigen Reste, die an den ehemaligen Glanz des Bauwerks erinnern. Das älteste noch bestehende Bukarester Bauwerk befindet sich direkt daneben: Die Kirche des Mircea Ciobanu aus dem 16. Jahrhundert. Zurück in der Calea Victoriei gibt es das um 1900 errichtete Nationale Geschichtsmuseum Rumäniens zu bestaunen, einst das Hauptpostgebäude. Es zeigt unter anderem archäologische Funde, die bis zurück in die Jungsteinzeit reichen. Direkt gegenüber steht der im französischen Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts errichtete Sparkassenpalast. |
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| Bilder (von links nach rechts): |
| 1. Stavropoleus-Kirche |
2. 'Caru’ cu Bere' |
3. Villacross-Arkade |
4. 'Hanul lui Manuc' |
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Ist man am Ende der Prachtstraße angelangt, wird man zunächst vom Dâmbovita-Ufer empfangen. Über der Brücke vis-á-vis der Altstadt befindet sich der im französischen Renaissancestil errichtete Justizpalast. Vor dem Haupteingang stehen fünf Statuen, die das Gesetz, die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Kraft und die Behutsamkeit darstellen. Dort, wo der Fluss in den Untergrund abtaucht, beginnt schließlich ein anderes Bukarest: Am Piaţa Unirii angelangt, wird man plötzlich mit der stadtplanerischen Gigantomanie Ceauşescus konfrontiert. Fast der gesamte Teil des südlichen Zentrums von Bukarest wird von der größenwahnsinnigen, grotesken Architektur des Conducators dominiert. Riesige Gebäude mit überdimensionalen Straßen lassen fast schon Gefühle von Agoraphobie aufkommen. Ganze Wohnviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht (die Bewohner in Plattenbauten zwangsübersiedelt), mehrere Kirchen versetzt, viele Sehenswürdigkeiten und wertvolle Altstadtsubstanz so für immer zerstört. Den 'Bulevardul Unirii', einst 'Sieg des Sozialismus' genannt, säumen 'Paläste', dessen Fassaden an Kitsch und Geschmacklosigkeit wohl kaum zu überbieten sind, geplant für die getreue Gefolgschaft des rumänischen Diktators. Am Ende des Boulevards, der doppelt so breit ist wie die Champs-Elysées in Paris, steht die berühmteste Sehenswürdigkeit Bukarests: Der Parlamentspalast. Die Idee für den 'Casa Poporului' ('Palast des Volkes'), wie er vor der Demokratie genannt wurde, kam Ceauşescu im Jahr 1984, und unmittelbar darauf begann man mit der Errichtung des Monstrums. Den Bauplänen von 700 Architekten folgend, schufteten sich etwa 20.000 versklavte Arbeiter Tag und Nacht (zwischen 1984 und 1989) nicht selten zu Tode. Der Parlamentspalast, nach dem Pentagon in Washington das zweitgrößte Gebäude der Welt, hat allein eine Innenfläche von insgesamt 270.000 m² und besteht aus über 6000 Räumen. Sämtliche Materialien zur Innenausstattung wie Marmor, Goldstuck oder Kristallluster stammen ausschließlich aus Rumänien. Bis heute ist das Gebäude nicht ganz fertig gestellt. Nach der Revolution im Dezember 1989 wurde der Palast Sitz des rumänischen Parlaments. Seit 1994 befindet sich hier das internationale Konferenzzentrum und seit 2004 das Museum für Gegenwartskunst. |
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| Bilder (von links nach rechts): |
| 1. Bulevardul Unirii und Parlamentspalast |
2. Parlamentspalast: Innenansicht |
3. Bulevardul Brătianu und Piaţa Unirii |
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Doch selbst hier, in der Gegend des Piaţa Unirii gibt es noch Sehenswürdigkeiten, welche die Ceauşescu-Ära unbeschadet überstanden haben: Die 'Catedrala Patriarhalâ' (Patriarchalische Kathedrale oder auch Erzbischofkathedrale) wurde 1698 erbaut und gilt als das Zentrum der rumänischen Orthodoxie. Am so genannten Mitropoliei-Hügel gelegen, wurde hier seinerzeit die erste vollständige Übersetzung der Bibel in die rumänische Sprache vollzogen. Unweit davon befindet sich das Anfang des 18. Jahrhunderts im 'Brâncovan-Stil' erbaute Antim-Kloster. Das Gebäude zählt zu den schönsten architektonischen Denkmälern in Bukarest. Etwas weiter entfernt, im Südwesten der Stadt findet man den 1893 errichteten Cotroceni-Palast, der die Baustile des französischen Eklektizismus und des rumänischen Neoklassizismus vereint. Die Pariser Oper diente als Vorbild für die überaus kostspielige und barocke Innenausstattung. 1991 wurde der Palast die Residenz des rumänischen Präsidenten und das Nationale Museum Cotroceni wurde eingeweiht. Der 1855 eröffnete Botanische Garten, der sich in unmittelbarer Nähe des Cotroceni-Palasts befindet, besitzt eine bedeutende Sammlung seltener rumänischer und mediterraner Pflanzenarten. |
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Theater und Konzertstadt Die Bukarester haben einiges übrig für ihre Theater. Sie gehen hin, um unterhalten zu werden und um sich danach darüber unterhalten zu können. Dabei können einige Bühnen durchaus mit Produktionen von internationalem Format und künstlerischem Wert aufwarten. Das 1852 eröffnete Nationaltheater widmet sich vor allem der Pflege des klassischen Dramenrepertoires. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ist es in einem neuen, modernen Gebäude neben dem 'Hotel Intercontinental' am Piaţa Universităţii untergebracht (das alte Haus wurde bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört). Die Aufführungen klassischer, aber auch zeitgenössischer Werke nationaler und internationaler Dramatiker im Nottara-Theater am 'Bulevardul Magheru', 1947 als 'Armeetheater' eröffnet, sind bis heute sehr beliebt und viel besucht. |
![]() Das rumänische Atheneum |
Das vor allem auch architektonisch interessante Teatrul Odeon in der Calea Victoriei verfügt mit dem Majestic Saal über die eleganteste Bühne der Stadt,
der übrigens über eine einzigartige, gleitende Decke verfügt. Einer der berühmtesten Theatermacher der Welt, der Begründer des 'absurden Theaters' Eugen Ionesco (1912-1994) stammt übrigens auch aus Bukarest. Er hat allerdings bald Paris zu seiner neuen Heimat auserkoren und seine wichtigsten Werke (z.B. 'Die Nashörner', 'Die Stühle') ebendort in französischer Sprache verfasst. Aber nicht nur das Theater, auch Konzerte und Opernaufführungen prägen das Kulturleben der Stadt. Das Opernhaus, in dem die Tradition des lyrischen, rumänischen Musiktheaters bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts gepflegt wird ist heute in einem neuen, 1953 errichteten Gebäude inmitten eines Parks an der Dâmbovita untergebracht. Der schönste und berühmteste Konzertsaal der Stadt ist mit Sicherheit das bereits im Jahr 1888 eröffnete Atheneum, gleichzeitig die Heimat des Rumänischen Philharmonischen Orchesters. Hier wird nicht nur das kulturelle Erbe des Landes hochgehalten, es finden auch immer wieder Gastauftritte international gefeierter Künstler statt. |
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Schattenseiten Alte verfallene Häuser, manchmal sogar Ruinen neben bereits meterhoch verwachsenen Baulücken und stalinistisch-monotone Wohnblocks als trostlose, graue Schandflecke der Stadt. Überall begegnet man dem städtebaulichen Wahnsinn Ceauşescus, den Narben eines kommunistisch-diktatorischen Albtraums. Die Satellitenstädte am Stadtrand wechseln sich mit Wellblechhütten-Slums mit Lehmböden ab. Menschen, die im Müll nach etwas Essbarem suchen und häufige Stromausfälle. Viehhaltung und bäuerliches Fuhrwerk inmitten der Großstadt. Ist Bukarest ein Schandfleck Europas? Auch in Sachen Verkehr regiert in der rumänischen Hauptstadt das totale Chaos. Viele Straßen sind noch immer in katastrophalem Zustand: Schlaglöcher, Wellen, manchmal sogar Stellen ohne Straßenbelag zwingen Autofahrer dazu, Schlangenlinien zu fahren. An Verkehrsregeln hält sich hier kaum jemand, rote Ampeln und Einbahnstraßen werden ignoriert, von Tempolimits ganz zu schweigen. Der öffentliche Verkehr ist in Bukarest allerdings sehr gut ausgebaut: Es gibt ein modernes Metronetz, Straßenbahnlinien und natürlich jede Menge Buslinien (mit und ohne Oberleitung). Das über mehrere Jahrzehnte geknechtete rumänische Volk wird wohl noch längere Zeit benötigen, um das Wohlstandsniveau der meisten EU-Länder zu erreichen. Und wo Armut herrscht, ist leider oft auch die Kriminalität nicht weit. Vor allem die Gegend rund um den Gara du Nord (Nordbahnhof) gilt nach wie vor als unsicher. Herumlungernde, fragwürdige Gestalten, die nach leichtgläubigen Touristen Ausschau halten, um diese mit diversen Tricks von Geld zu befreien und teilweise recht aggressiv bettelnde Personen von speziellen Volksgruppen. Wir raten davon ab, hier zu spenden, denn nicht selten erntet man Undankbarkeit, es wird immer zu wenig sein. Mit etwas Pech oder Unaufmerksamkeit ist man möglicherweise sogar sein Portemonnaie los. (Anmerkung: Wir möchten strikt betonen, dass wir hier absolut keine ethische Minderheit kollektiv verurteilen wollen, allerdings fühlen wir uns in unseren Texten der Wahrheit verpflichtet. Und manche Tatsachen lassen sich speziell in Bukarest leider nicht leugnen…). Generell gilt: Auf keinerlei Gespräche einlassen und Wertsachen direkt am Körper verwahren. Beim Stadtbummel keinen teuren Schmuck oder Armbanduhren tragen. Besondere Vorsicht ist auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, auf den touristisch durchaus interessanten Straßenmärkten und an stark frequentierten Plätzen geboten. Bei Taxifahrten den Taxameter prüfen und kein Geld auf der Straße wechseln oder zeigen. Wenn man von Straßenkindern angebettelt wird, sollte man statt Geld lieber Lebensmittel oder Getränke geben. Viele dieser bemitleidenswerten jungen Menschen schnüffeln Lösungsmittel oder Klebstoffe und sind davon abhängig. Die Kinder schlafen meist auf Bahnhöfen, in Abbruchhäusern oder in Kanalschächten. Obwohl bereits viele internationale Hilfsorganisationen einen Resozialisierungsprozess einzuleiten versuchen, wurden bislang leider noch keine großen Erfolge erzielt. Ein weiteres Problem, mit dem die Stadt zu kämpfen hat, sind die vielen herumstreunenden Hunde, denen man fast überall begegnet. Hundefänger gehören zwar auch zum Bukarester Stadtbild, die Vierbeiner erweisen den Einheimischen jedoch oft als Wachhunde ihren Dienst. Es ist nicht auszuschließen, dass das eine oder andere Tier durchaus aggressiv auf Fremde reagiert. Nun könnte man meinen, die Stadt sei rückständig, gefährlich, hässlich, chaotisch, wild, schäbig und dreckig. Ja, auch das sind sicherlich Eigenschaften, die auf Bukarest zutreffen. Es gibt aber unzählige Plätze, die es wert sind, gesehen zu werden. Viele Sehenswürdigkeiten fielen der sozialistischen Stadtplanung zum Opfer, trotzdem besitzt die Stadt noch immer etliche touristisch interessante Objekte. An diesen Orten kann man die einstige Glanzzeit oder aber den neuen Aufbruch erkennen. Und es kann gut sein, dass man seine vielleicht zunächst eher reservierte Haltung gegenüber der rumänischen Metropole schließlich ändert. |
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Linkes und rechtes Bild: Die nach wie vor großen Kontraste in Bukarest sind nicht zu übersehen... |
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Blick in die Zukunft In den letzten Jahren hat sich die rumänische Metropole angestrengt, westeuropäische Standards in Sachen Hotelerie und Gastronomie, aber auch in der Infrastruktur zu erreichen. Auch die Kriminalitätsrate geht zurück: Zum einen, weil in vielen Gegenden uniformierte Sicherheitsleute die Polizeistreifen unterstützen und somit verstärkte Präsenz und abschreckende Wirkung zeigen, zum anderen, weil das Wohlstandsniveau der Bevölkerung leicht gestiegen ist. Historische Gebäude werden saniert, Jungunternehmern wird mit kleinen Steuervorteilen Mut zur Selbständigkeit gemacht und man versucht, die sozialen Missstände in Angriff zu nehmen. Diese Tatsachen machen sich langsam, aber stetig auch im Stadtbild bemerkbar. Nahmen nach der Revolution von 1989 hauptsächlich Großkonzerne und deren Geschäftsreisende Notiz von der Stadt, wird Bukarest nun immer mehr auch als Touristenziel interessant. Es wäre der rumänischen Hauptstadt und seinen Bewohnern zu wünschen, eines Tages wieder eine Art Blütezeit zu erleben und damit wieder mit dem schmeichelnden Beinamen 'Paris des Ostens' assoziiert zu werden. Die Zeit wird kommen - Und Bukarest wird eines Tages wieder richtig schön sein. |
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Sehenswürdigkeiten - Places of interest: Museum des rumänischen Bauern Caru Cu Bere Dorfmuseum Bukarester Oper Nationales Kunstmuseum Parlamentspalast (Casa Republicii) Stavropoleos-Kirche (romanian only) Webcams: Piaţa Unirii, Piaţa Universităţii, Dâmbovita-Ufer |
Allgemeine Informationen - General informations: Bukarest (1) Bukarest (2) Bukarest (3) Bukarester Verkehrsbetriebe / Public transport in Bucharest Bukarester Kalender Bucharest Otopeni Airport |
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